Keine Angst mehr vor dem Autofahren

„Ich kann dir nichts mehr beibringen, du brauchst mehr Selbstvertrauen…“

Das hat ein Fahrlehrer kurz vor meiner Führerscheinprüfung zu mir gesagt. Er bezog sich mit diesem Satz darauf, dass ich damals zwar wusste, wie das Autofahren funktioniert, meine Unsicherheit und die Angst, Fehler zu machen, mich und meine Konzentration aber komplett blockierte. Die Prüfung habe ich dann doch bestanden und bin später auch öfter gefahren – sogar längere Strecken. Während aber jeder in meinem Umfeld sicher war und predigte, man würde immer sicherer werden, je mehr man fahre, wurde ich umso ängstlicher. Ich erschreckte mich oft, war unschlüssig, ob ich Vorfahrt habe oder der andere, achtete nie auf Schilder, fuhr dementsprechend in mehrere Sackgassen und machte schließlich immer mehr Fehler.

1. Ich kann das nicht!

Nachdem ich dann durch meine innere Unruhe auch noch einen Unfall verursacht habe, stand für mich fest: Ich kann einfach nicht Auto fahren, mir fehlt die Fähigkeit zum Multitasking, die Ruhe und vor allem das Selbstbewusstsein. Alle andere können das, nur ich nicht.

2. Sag mal, wer bin ich eigentlich?

In den vergangen Jahren habe ich hart an mir gearbeitet und bin inzwischen sogar so weit zu sagen, dass ich einen Anflug von Selbstwertgefühl habe. Es steckt noch in den Kinderschuhen und ist ziemlich grün hinter den Ohren. Hin und wieder verkriecht es sich auch mal schüchtern (speziell bei Gewitter). Aber je mehr ich daran arbeite, desto erwachsener wird es. Bald macht es hoffentlich sein Abitur.

3. Vielleicht kann ich das auch?

Unzählige im Bus verbrachte Stunden und noch mehr Wartezeiten (natürlich im Regen) auf verspätete Busse und Straßenbahnen sowie jede Menge Frust und ekelhafte Menschen, die sich grundsätzlich neben mich setzten und sehr dicht ankuschelten, gaben mir den Rest. Also entschied ich mich vor fünf Monaten dazu, mir ein Auto zu kaufen – fünf Jahre nachdem ich das letzte Mal hinter einem Steuer saß. Ein Smart sollte es sein, der ist schön klein und überschaubar – naja, und teuer ist er auch, selbst als Gebrauchtwagen. Das Geld erschien mir aber nebensächlich in dem Moment, da ich unbedingt loslegen – bzw. losfahren – wollte. Ich wollte endlich unabhängig sein und z. B. Wasser und Milch einkaufen gehen, wenn es mir gerade passt und ohne auf die Zeit und Lust anderer angewiesen zu sein.

4. Omg, ich kann das ja doch!?

Als vor drei Monaten dann endlich der langersehnte Anruf kam „Wir haben ein passendes Auto für Sie gefunden“, war ich so aufgeregt! Selbst bei der anschließenden Probefahrt war ich zwar nervös und kribbelig, aber keinesfalls ängstlich – trotz unbekannter Strecke durch die Pampa. Eigentlich wollte ich nur in der Stadt fahren und auch nur da, wo ich schon einmal war. Aber mein Vater, den ich als moralische Unterstützung dabei hatte (und für den Fall, dass ich doch panisch werde), hat das ganz clever angestellt:

Er: Ach, fahr erstmal da lang, Google Maps lädt noch…
Ich: Oh nein, eine Bundesstraße, ich wollte doch keine Bundesstraße! 😲
Er: Ist ja auch eine Landstraße. 😏

5. Ayyayaya coco jambo ayyayai 🤩

Überglücklich nach der Probefahrt mit meinem neuen Autochen! 😍🚗

Also bin ich gefahren und gefahren… und zack waren wir in einem anderen Bundesland (kilometermäßig nicht allzu weit entfernt, aber trotzdem). Seitdem fahre ich tatsächlich ohne Angst und große Aufregung. Inzwischen achte ich sogar problemlos auf den Verkehr, Verkehrszeichen, Vorfahrt (kurz: viele Worte, die mit „V“ anfangen) und singe dabei lautstark die Playlist rauf und runter mit:

Ayyayaya coco jambo ayyayai
Ayyayaya coco jambo ayyayai
Put me up, put me down
Put my feet back on the ground
Put me up, take my heart
And make me happy

(Lyrics von Mr. President: „Coco Jambo“)


Hier noch zwei kleine Tipps, die mir sehr geholfen haben beim Autofahren:

1. Gelbe Ampel: Fahre ich noch drüber oder halte ich lieber an?
Vor den meisten Ampeln sind auf der Straße drei oder vier Pfeile eingezeichnet (ich bin gerade nicht sicher, wie viele es sind). Ausgehend von vier Pfeilen:

Es kommt aber immer auf die Situation an! Wenn z. B. dicht hinter mir jemand ist, der sehr dicht auffährt, mache ich natürlich keine starke Bremsung und riskiere einen Auffahrunfall.

2. Fahre ich zu weit links/rechts auf meiner Spur?
Dabei hilft ein kurzer Blick in die linke untere Ecke der Windschutzscheibe. „Fährt“ die Mittellinie der Straße (sofern vorhanden) genau in diese Ecke, bist Du sehr wahrscheinlich ziemlich mittig in Deiner Spur. Das hängt natürlich auch wieder von verschiedenen Faktoren (wie der Breite der Straße oder des Autos) ab. Aber mir hat dieser Tipp viel Sicherheit gegeben.

Allen, die die Angst vor dem Autofahren ebenfalls kennen und besiegen möchten, wünsche ich viel Kraft und Durchhaltevermögen. Wenn ich – der größte Angsthase – das schaffen konnte, schafft Ihr das auch! Wachst über Eure Ängste hinaus! 🚗🙂

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.