Elternrat tut selten gut

Elternrat

Ich habe schon seit vielen Jahren Probleme damit, abends einzuschlafen. Meine Mutter riet mir daher schon vor Längerem:

Ich hab mal autogenes Training in einem Kurs gemacht. Das entspannt einen, und du denkst vielleicht in Zukunft positiver, wodurch du dann sicher auch besser einschlafen könntest.

Meine Antwort (dazu muss man sich noch den passenden, für Kinder typischen trotzigen Tonfall vorstellen):

Das bringt doch nichts. Wenn ich mich schon alleine in meinem eigenen Bett nicht entspannen kann, dann ja wohl erst recht nicht umgeben von fremden Leuen in irgendeinem Raum. Lächerlich!

Während meines Studiums etwa fünf Jahre später erzählte mir eine Kommilitonin, dass sie an der Uni einen Kurs über autogenes Training besuchen möchte und ob ich Lust hätte, mitzukommen. Plötzlich hörte sich das gar nicht mehr so lächerlich an, also ging ich mit. Inzwischen mache ich das zwar nicht mehr, aber dafür hat es mir Meditationen nähergebracht, die mich tatsächlich sehr entspannen und mir jeden Abend beim Einschlafen helfen.

Warum konnte ich den gut gemeinten Rat meiner Mutter partout nicht annehmen, aber kaum sag es jemand anderes, ist es auf einmal eine ganz tolle Idee? Als mir mein Verhalten bewusst wurde, ist es mir übrigens auch bei anderen aufgefallen. Meine Schwester reagiert auf dieselbe Art und Weise auf Ratschläge von unseren Eltern und sogar meine Mutter bei Vorschlägen von ihrer Mutter. Auch Freundinnen von mir verhalten sich so ihren Eltern gegenüber. Kennt ihr das auch?

Das ist schon etwas merkwürdig. Warum sollte man nicht einen Tipp von jemandem, der einem sehr nahe steht, annehmen? Gerade bei der Familie kann man ja eigentlich davon ausgehen, dass der Rat ohne Hintergedanken geliefert wird. Ein logischer Grund fällt mir nicht ein, daher bleibt nur die folgende Hypothese:

Ganz tief im Inneren sind und bleiben wir kleine, trotzige Kinder, die auf gar keinen Fall das tun möchten, was die Eltern ihnen auftragen, vorschlagen oder raten. Dabei ist es vollkommen egal, wie alt man ist und in welchem Tonfall oder mit welcher Intention die Botschaft mitgeteilt wird: Solange sie von den Eltern kommt, hat sie keine Chance, in den Trotzkopf des Kindes einzudringen und gehört zu werden. 👶

Mein Rat daher an die Eltern:

Wenn euer Kind eigentlich alt genug ist, seine eigenen Entscheidungen zu treffen, ihr ihm aber einen wichtigen und gut gemeinten Rat geben wollt, lasst ihn von jemand anderem kommen. Das kann eine Freundin, aber auch der Onkel oder die Schwester sein. Es reicht schon jemand, der nicht Mama oder Papa ist.

Man kann zwar auch versuchen, dem Kind das Gegenteil zu raten, damit es das in euren Augen Richtige tut, aber das wäre Manipulation, und davon halte ich nichts. Außerdem sollen Kinder ja auch irgendwann einmal lernen, eigene Entscheidungen zu treffen und für diese einzustehen. Zwingt man ihnen ständig die eigene Meinung auf, kann es passieren, dass sie immer an sich und ihrer Entscheidungsfähigkeit zweifeln werden. Die Eltern haben in so einem Fall noch nicht erkannt, dass ihr Kind ganz langsam und mit aller Kraft versucht, erwachsen zu werden. Räumt man ihm in dieser Phase alle Hürden aus dem Weg, braucht man sich nicht wundern, wenn es später nichts auf die Reihe kriegt und mit 50 noch Zuhause wohnt.

Also liebe Eltern: Ab einem gewissen Alter (eures Kindes) sollten Ratschläge tatsächlich Ratschläge sein und keine Forderungen mehr. Doch auch, wenn ihr alles richtig macht, bleibt das Eltern-Kind-Gefälle bestehen. Ratschläge werden nicht gerne gehört, weil Kinder ja schließlich alles alleine machen können und schon ganz ganz groß sind! 😉 😁

Mein Rat an alle trotzigen Kinder: 😁

Ich denke, in den meisten Fällen meinen es die Eltern nur gut mit ihren Ratschlägen (Ausnahmen gibt es natürlich immer). Wenn ihr aber glaubt, dass irgendwann der Tag kommt, an dem sie euch wie einen „gleichwertigen“ Erwachsenen behandeln und nicht mehr wie ihr Kind, dann irrt ihr euch. Es lässt vielleicht etwas nach, aber einmal Glucke, immer Glucke. Einmal Beschützer, immer Beschützer. Ich habe selbst noch keine Kinder, bin aber ziemlich sicher, dass man diese Sorge um einen Menschen und alles, was er macht, erst so richtig verstehen kann, wenn man selbst Mutter oder Vater ist.

Also nicht vergessen: Eure Eltern könnt ihr nicht ändern, euer Verhalten ihnen gegenüber allerdings schon. Versucht, mehr Verständnis für sie und ihre (oft gar nicht mal so üblen) Ratschläge zu haben, denn irgendwann kommt der Moment, in dem ihr sie nicht mehr um Rat fragen könnt. Genießt die Zeit mit ihnen, anstatt zu streiten. 😊

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