Sprechstunde bei Dr. G.

Dr. Google

Vor einiger Zeit habe ich mal gegooglet „Leberfleck juckt“ und in mehreren Foren gelesen, dass das Hautkrebs sein kann und man damit SOFORT (!!!!) zum Hautarzt gehen muss. Da ich erstens noch jung bin, zweitens selten in die Sonne gehe und drittens ein Kopfmensch bin, habe ich das Ganze erst noch ein paar Tage beobachtet und schnell gemerkt: Nicht der Leberfleck selbst hat gejuckt, sondern eher der Bereich in der Nähe dessen, und auch das hörte nach einigen Tagen auf. Für einen kleinen Moment hatte ich aber schon etwas Angst, pessimistisch wie ich bin.

Vor ein paar Tagen war ich beim Hausarzt und habe ihn gefragt, ob bestimmte pflanzliche Medikamente x (ich werde hier nicht sagen, welche 😉), die ich bei der „Googelung“ von Problem y (auch nicht näher bestimmt 😁) gefunden habe, tatsächlich helfen. Er meinte daraufhin zu mir:

Ich gebe Ihnen jetzt einen guten Rat, vermutlich den besten, den ich heute gegeben habe: Googlen Sie nicht mehr! Damit machen Sie sich nur verrückt. Wenn es nach mir ginge, dürften im Internet überhaupt keine Gesundheits-„Tipps“ stehen!

Das stellt mich jetzt vor ein echtes Problem. Immerhin hat Dr. Google immer Sprechstunde, egal zu welcher Tages- und Nachtzeit. Außerdem muss man nie lange auf einen Termin warten, es sei denn, das Internet funktioniert gerade nicht. Und selbst das ist meistens schneller wieder hergestellt, als dass man einen Termin bei einem Facharzt bekommt.

Einerseits hat mein Hausarzt natürlich recht, weil es sicher einige Menschen gibt, die simple Symptome wie Kopfschmerzen oder Magenschmerzen googlen, und anschließend überzeugt sind, einen Tumor oder ein Magengeschwür zu haben. Andererseits habe ich auf solchen Ratgeber-Seiten auch häufig Sätze gelesen wie:

Wenn Symptom x auftritt, muss nicht immer eine schlimme Ursache dahinter stecken. Es kann auch einfach nur Ursache y dahinter stecken.

Aber nicht jeder googlet gleich, und daher unterscheide ich vier Typen:

Der logische Googler (LG) wird alles aufmerksam lesen, die Symptome eine Weile beobachten und schließlich zum Arzt gehen, sofern sie bestehen bleiben. Jaaa richtig erkannt, genau wie ich. Ich behaupte einfach mal, dass ich diese Art Googler bin, allerdings mit einem leichten Hang zum Hypochondrischen. 😁

Daher bin ich auch der pessimistische logische Googler (PLG), ein Subtyp des LG. Weitere sind der realistische (RLG) und der optimistische logische Googler (OLG). Für den RLG und den OLG ist es ungefährlich, Krankheitssymptome zu googlen. Es kann diese Subtypen sogar beruhigen, da sie vermutlich zu dem Schluss kommen werden, eine harmlose bzw. gar keine Krankheit zu haben. Beim PLG kommt es sehr stark auf die aktuelle Stimmungslage an, nämlich ob gerade der Pessimismus überwiegt oder die Logik. Verschiebt sich das pessimistisch-logische Gleichgewicht in Richtung Pessimismus, besteht die Möglichkeit, dass der PLG zu einem HG wird.

Der HG ist der hypochondrische Googler, der immer denkt, er hätte die schlimmsten Krankheiten. Er durchforstet stundenlang verschiedene Foren auf der Suche nach noch viel grauenvolleren Ursachen für seine Symptome und hört erst auf, wenn er sicher ist, dass er sterben wird. Selbstverständlich geht er zum Arzt, und sollte dieser nichts finden, geht er eben zum nächsten usw. Der HG liefert dem entsprechenden Arzt direkt die vollständige Diagnose. Alles, was er jetzt noch braucht, ist ein Behandlungsplan, für den er aber auch schon einige Vorschläge in petto hat. Beim HG können zudem Mischformen aus diversen Krankheitsbildern auftreten, daher ist sein größter Traum, dass eine durch ihn neu entdeckte Krankheit nach ihm benannt wird.

Natürlich gibt es auch den Nicht-Googler (NG), der die Symptome entweder gar nicht bemerkt bzw. allzu ernst nimmt oder sie ignoriert. Bemerkt er sie und stuft sie als möglicherweise gefährlich ein, geht er ohne den Google-Umweg direkt zum Arzt.

Ein häufiger Typ ist der Gelegenheits-Googler (GG). Er googlet nach Bedarf, also nur, wenn ihm danach ist, aber nicht bei jeder Kleinigkeit. Dies trifft wohl auf die meisten Menschen zu.

Meiner Meinung nach gibt es definitiv Menschen, die psychisch besser dran sind, wenn sie Krankheitssymptome nicht googlen und stattdessen direkt zum Arzt gehen. Dazu zählt auf jeden Fall der hypochondrische Googler, aber auch der pessimistische logische Googler. Nee Moment, das kann nicht stimmen. Mist, das bin ja ich. 😱 Hatte der Hausarzt am Ende doch recht? Och menno… Aber vielleicht sollte ich erst einmal googlen, ob ich überhaupt sooo hypochondrisch bin, wie ich denke. Dafür gibt es sicher Tests, die man machen kann. Bin ich aber bestimmt. Ich hab ja ständig irgendwas. Ich frage besser das nächste Mal den Arzt, was man da machen kann. 😁 😜

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3 Kommentare zu “Sprechstunde bei Dr. G.

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